Seelsorgeeinheit Sankt Maria / Heilig Geist
in Weingarten/Württ.

Geistliches Wort


Verwandlung

Jahrelang habe ich keine Schmetterlinge mehr gesehen bzw. nur die Kohlweißlinge. Das hat mich sehr frustriert, denn irgendwie sind diese kleinen bunten Flatterlinge Mutmacher. Erzählen sie doch von Verwandlung und Neubeginn, von der Schwere des Lebens, die durch eine Leichtigkeit des Seins abgelöst werden kann, von Tod und Auferstehung.
Doch seit letztem Jahr entdecke ich sie wieder: Pfauenauge, Distelfalter, Zitronenfalter, Admiral... Sogar Bläulinge habe ich gefunden. Für mich sind sie der Hinweis darauf, dass es noch mehr gibt als Schwere und Sorge.
Wir leben ja in einer Zeit großer Veränderungen, die für uns unüberschaubar und irgendwie unkontrollierbar sind. Das macht Angst, gehen sie doch mit manchen, oft schwerwiegenden Konsequenzen auf unser bisher doch oft so bequemes Leben einher. Und das Ende ist nicht absehbar. Der Schmetterling erinnert mich daran, dass auch die Raupe nichts davon ahnt, was durch ihren Raupentod aus ihr werden könnte. Sie muss eine gewaltige Metamorphose durchleben, tagelang still und unbeweglich bleiben, wie im Grab, eingehüllt in ihrem Kokon.
Und dann plötzlich öffnet sie der Kokon, sie reckt und streckt sich, strengt sich an und faltet nach und nach ihre Flügel auf - und erstrahlt in zarter Schönheit. Ein Wunder.
Solche sichtbaren Wunder brauche ich immer wieder, die mich an die Auferstehung erinnern, auch mitten im Leben. Dass Leid und Tod nicht alles sind, nicht das letzte Wort haben. Dass da einer ist, der aus Veränderungen Verwandlung werden lassen kann, es kann ja auch nicht alles so bleiben wie es ist, oder?

Text und Bild: Carolin Augé, Pastoralreferentin